Ein Münchner Homo versucht sich am dissen, scheitert aber dabei jämmerlich. Denn mehr als das Beklagen darüber, dass selbst die dumme linke Einsortierung (s. vorherigen Eintrag) zwecks Skandalisierung in moralisch zu verurteilende Oberkategorien immer noch einen objektiven Gehalt hat (nämlich die Betroffenen als Sortierungskriterium), statt seiner Willkür unterworfen zu sein, weil er ein Homo, also ein Betroffener ist, bringt er bei seinem Versuch nicht zustande:

was ich auf jeden fall gar nicht leiden kann, ist, wenn mir als schwuchtel von menschen, die sich zumindest nicht explizit als homo/queer/trans*/inter definieren, erzählt wird, was als homophob zu bewerten ist und was nicht. meiner ansicht nach ist ein wichtiger schritt in richtung emanzipation, den diskriminierten menschen die definitionsmacht über ihre diskriminierung zuzusprechen.

Dass das auch noch geheuchelt ist, müssen wir schon fast nicht mehr dazu schreiben, versteht sich das doch von selbst, wenn ein moralischer Titel (hier: die Selbstidentifikation als Homo, also als Unterdrückter) die Berechtigung des Anliegens unterstreichen soll. Denn das Anliegen hat schließlich einen getrennt davon existierenden Inhalt, um den es dabei geht. Wenn der Kommentator sich also als “explizit als homo/queer/trans*/inter” bezeichnet hätte, würde unser (no homo) Münchener Homo dessen Inhalt doch immer noch nicht teilen. Statt das aber zu sagen und inhaltlich zu argumentieren, zieht er lediglich seine angebliche höhere moralische Berechtigung als der Kommentator heran, weil er sich als Homo definiert und jener nicht.

Du “Schwuchtel” solltest also das Dissen lieber Leuten überlassen, die etwas davon verstehen – uns beispielsweise.